Internationaler Fachaustausch über Sozial- und Gesundheitsplanung: Delegation aus Ghana zu Gast in Siegen-Wittgenstein

5. April 2024, 08:46Meldungen

„Ich habe ein ghanaisches Sprichwort gefunden“, begrüßte Landrat Andreas Müller jetzt eine neunköpfige Delegation aus Ghana im Kreishaus. „‚Der Mensch ist keine Kokosnuss, er ist nicht völlig abgekapselt‘. Wir sind hier um aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen.“

Eine Woche lang war die Delegation aus Ghana in Siegen-Wittgenstein zu Gast. Sie wurde angeführt von der Landrätin (Municipal Chief Executive) Margaret Darko aus Suhum und ihrem Amtskollegen Isaac Kwadjo Buabeng aus Nsawam-Adoagyri. Begleitet wurden sie von hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern der beiden ostghanaischen Verwaltungen, insbesondere aus den Bereichen Planung, Gesundheit und Soziales.

Die Diskussion und Beleuchtung der jeweiligen Handlungs- und Planungslogiken in den Bereichen Soziales, Jugend und Gesundheit waren hochinteressant und erkenntnisreich.  Begleitet und finanziert wurde der Besuch von „Engagement Global“, einer Organisation des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

„Wir schätzen den hohen Wert der Projekte, die hier in Siegen-Wittgenstein initiiert wurden“, betonte die Landrätin Margaret Darko im Kreishaus. „Ich freue mich, dass wir gemeinsam neue Ideen zur Gesundheits- und Sozialplanung, aber auch zu anderen Themen wie Nachhaltigkeit oder IT diskutieren können.“

Die Delegation aus Ghana bei ihrem Besuch im Klinikum Siegen.

Die Delegation aus Ghana bei ihrem Besuch im Klinikum Siegen.

Die Begrüßung im Kreishaus war für die Delegation der Auftakt zu einer ereignisreichen Woche mit vielen Terminen und Stationen. Jason Wagner, Sozialplaner des Kreises Siegen-Wittgenstein begleitete die Delegation auf ihrer Reise durch die Region. Auch die Universität Siegen hat seit Jahren einen Forschungsaustausch mit den beiden Distrikten in Ghana und begleitete die Woche inhaltlich. Zur Begrüßung stellte Jason Wagner den Kreis Siegen-Wittgenstein als den grünsten Kreis Deutschlands vor. „Da habe ich die Verwunderung in den Gesichtern der Delegierten gesehen, als sie aus dem Fenster schauten“, erzählt er lachend. Aufgrund der Jahreszeit war von „Grün“ nichts zu sehen. In Ghana gibt es keine Jahreszeiten –nur Trockenzeit und Regenzeit. Jason Wagner erklärte den Gästen, wie die Jahreszeiten in unserer Klimazone die Natur beeinflussen. „Daraufhin scherzte jemand, dass man hier ja gar keinen Kakao anbauen könne“, erzählt Jason Wagner.

Die hohe Luftfeuchtigkeit in Ghana bietet perfekte Bedingungen für die Kakaopflanze. Kakao ist deshalb eines der wichtigsten Exportgüter des Landes. „Die Ghanaer haben mir Schokolade aus ihrer Heimat mitgebracht. So eine leckere Schokolade habe ich selten gegessen“, erzählt Jason Wagner. Allgemein gibt es Unterschiede in der Landwirtschaft: „In Ghana ernten die Bauern mehrmals im Jahr. Für sie ist es unvorstellbar, dass bei uns nur einmal im Jahr geerntet wird.“

Unter anderem standen Besuche im Klinikum Siegen, bei der AWO, in der Kinderklinik und im Kreistag auf dem Programm der Delegation. „Wir haben uns sehr über den interessanten Austausch im Rahmen des Besuchs gefreut und hoffen, dass wir unseren Gästen einen guten Einblick in die umfangreichen psychiatrischen Versorgungsmöglichkeiten unseres Klinikums geben konnten“, sagte Dr. Peter Plum, leitender Oberarzt des Zentrums für Seelische Gesundheit am Klinikum Siegen. Im Anschluss an die Besuche wurden die Eindrücke reflektiert und auch darüber berichtet, wie mit den Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialbereich in Ghana umgegangen wird. „Das hat uns interessante Einblicke und neue Ideen für unsere Arbeit hier in Siegen-Wittgenstein gegeben“, so Jason Wagner.

Ziel der Reise war ein Erfahrungs- und Fachaustausch zwischen den Kommunalverwaltungen vor allem über Sozial- und Gesundheitsplanung. So wurde sich darüber ausgetauscht, mit welchen Methoden Bedarfe wie z. B. bei Pflege- und Gesundheitsversorgung, Existenzsicherung, Erziehung und Kindeswohl ermittelt und erhoben werden. Im nächsten Schritt wurde diskutiert, wie diesen Bedarfen in den verschiedenen Systemen der beiden Länder begegnet wird: Welche Rolle spielt der Staat, welche Aufgaben und Kompetenzen haben die Kommunen und Verwaltungen und wie werden diese Kompetenzen für die Bürgerinnen und Bürger genutzt?

Landrat Andreas Müller, Sozialdezernent Thomas Wüst und Jugendamtsleiterin Anissa Mahmood überreichten den Gästen am letzten Tag ihres Besuchs ein Abschiedsgeschenk sowie den Film „Siegen-Wittgenstein von oben“ in der englischen Übersetzung. Im Gegenzug erhielten sie eine Kente, ein traditionelles ghanaisches Gewand aus feiner Seide. Jeremiah Agyekum Amoafo, Kommunaler Koordinationsdirektor der Verwaltung in Nsawam-Adoagyiri fasste den Eindruck der Delegation zusammen: „In Ghana gilt die Gastfreundschaft als höchstes Gut. Die Menschen in Siegen-Wittgenstein haben uns gezeigt, dass dieses Gut auch hier gelebt wird. Wir fühlen uns hier sehr gut aufgenommen, wie in einer Familie.“

Landrat Andreas Müller bekommt einen Kente von den Gästen überreicht, ein traditionelles ghanaisches Gewand.

Landrat Andreas Müller bekommt einen Kente von den Gästen überreicht, ein traditionelles ghanaisches Gewand.

„Wir hatten viel Spaß mit den Gästen aus Ghana und es gab viele schöne Momente. Aber vor allem haben wir fachlich viel voneinander lernen können“, fasst Jason Wagner die Woche zusammen. Auch ein Gegenbesuch einer Siegen-Wittgensteiner Delegation ist schon geplant. Dieser wird voraussichtlich im Frühjahr 2025 stattfinden. Für Jason Wagner ist klar: „Ich möchte mir die sozialen Einrichtungen anschauen, über die die Delegation berichtet hat. Ich bin sicher, dass wir dort viel für die Planung in Siegen-Wittgenstein lernen können.

 

Foto 1: Die Delegation aus Ghana bei ihrem Besuch im Klinikum Siegen (Lara Stockschläder – Klinikum Siegen)

Foto 2: Landrat Andreas Müller (links) bekommt von Isaac Kwadjo Buabeng (dritter von links), Jeremiah Agyekum Amoafo (zweiter von links) und Frederick Antwi (vierter von links) ein traditionelles ghanaisches Gewand übergeben