Chefdirigent verlässt Philharmonie Südwestfalen

4. März 2024, 17:38Meldungen

Nabil Shehata verlässt zum Sommer die Philharmonie Südwestfalen. Nachdem der Chefdirigent zunächst die Orchesterleitung und die Gremien der Philharmonie Südwestfalen über diesen Wunsch informiert hatte, machte er seine Entscheidung am vergangenen Donnerstag im Rahmen einer Belegschaftsversammlung den Musikern des Orchesters bekannt. Für das Orchester kam die Entscheidung des Chefdirigenten überraschend, weil Shehata noch im September 2023 seinen Vertrag verlängert hatte. Die Musiker und Verantwortlichen bedauern, dass der Chefdirigent die Philharmonie verlässt und das Orchester betont, wie dankbar es für die Zusammenarbeit in den letzten Jahren war.

Zu seiner Entscheidung, die Philharmonie Südwestfalen verlassen zu wollen, sagt Shehata, dass er künftig in eine künstlerische Richtung gehen möchte, die aufgrund des damit verbundenen Repertoires hier in Siegen nicht umsetzbar ist. Im Rahmen der Belegschaftsversammlung wurden gleichwohl auch die durch Langzeiterkrankungen geschwächte Verwaltung und die damit einhergehenden Einbußen an Organisationskraft der Philharmonie thematisiert. Zudem wurde eine unterschiedliche Bewertung der vorhandenen Potenziale zur qualitativen Weiterentwicklung des Orchesters zwischen Chefdirigent und Orchester deutlich.

Landrat Andreas Müller, Vorstand des Trägervereins der Philharmonie Südwestfalen, bedauert den Weggang Nabil Shehatas sehr: „Wir haben mit ihm echte Sternstunden unserer Philharmonie erlebt und das Publikum hat ihn immer geliebt. Ich bedauere, dass wir ihm die Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, die er sich wünscht, hier vor Ort nicht ermöglichen können. Ich hätte mich sehr gefreut, wenn wir und das Publikum noch einige Jahre von seinen Fähigkeiten hätten profitieren können.“

Nabil Shehata ist seit dem 1. September 2019 Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen. Er hatte sich gegen 194 Mitbewerber durchgesetzt, von denen 14 zu einem Probedirigat eingeladen worden waren. Damals gab es ein einstimmiges Votum der Findungskommission für Shehata. Ein Highlight seiner Arbeit war schon sein Einstandskonzert als Chefdirigent mit der Aufführung der 9. Sinfonie von Beethoven durch die Philharmonie Südwestfalen und den WDR Rundfunkchor. Der Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie und die Leitung der beiden TV Konzerte in Nordkirchen und zuletzt in Paderborn gehören ebenfalls zu den unvergesslichen Momenten. Von Shehatas hoher Qualität zeugen auch die letzten CDs mit Werken von Saint Saens, Tschaikowsky und Dvorak, die zum Teil auch international Beachtung erfahren haben.

Aufgrund der Größe der Philharmonie Südwestfalen kann das Orchester bestimmte Kompositionen nicht aufführen. So hat Shehata z.B. bereits bei den Berliner Philharmonikern gespielt, die ca. 130 Planstellen für Musiker haben, bei der Philharmonie Südwestfalen sind es „nur“ 66. Die großen Orchester in Deutschland haben zwischen 100 und 180 Planstellen und können so deutlich komplexere Werke aufführen. So konnte die Philharmonie Südwestfalen etwa im Rahmen der 800 Jahrfeier der Stadt Siegen das Werk „Heldenleben“ nur aufführen, weil sie um 40 Kolleginnen und Kollegen aus Gießen verstärkt wurde.